Zersetzung unter Kontrolle – von biologisch bis thermisch
Im Rahmen eines FTI Calls der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich m.b.H. wurde das analytische Labor zur Untersuchung nichtflüchtiger Abbauprodukte von Holzverbundstoffen weiter ausgebaut. Mit der Inbetriebnahme neuer Systeme zur biologischen Abbaubarkeit, Materialzersetzung und thermischen Analyse wird die bestehende Infrastruktur nun gezielt erweitert. Ziel ist es, Abbauprozesse umfassend zu verstehen, von mikrobiell gesteuerter Zersetzung bis hin zur thermischen Belastung unter definierten Laborbedingungen.
Im aquatischen Bioabbausystem wird sichtbar, was unter wässrigen Bedingungen tatsächlich geschieht. Prüfungen nach EN ISO 14855-2, EN ISO 14852 und EN ISO 14046 ermöglichen die quantitative Bestimmung der biologischen Abbaubarkeit. Über die kontinuierliche CO₂-Erfassung wird der mikrobielle Umsatz direkt messbar gemacht. Möglich wird dies durch ein am Standort entwickeltes CO₂-Sensoriksystem, das eine kontinuierliche, ressourcenschonende Erfassung des mikrobiellen Umsatzes erlaubt. Materialien müssen hier zeigen, wie sie sich unter Umweltbedingungen verhalten und wie stabil oder abbaubar sie wirklich sind.
Unter Kompostbedingungen geht die Analyse einen Schritt weiter. Zersetzungsversuche nach EN ISO 20200 und EN ISO 16929 simulieren biologisch aktive Milieus mit definierten Temperatur- und Feuchteprofilen. Massenverluste, strukturelle Veränderungen und der Zersetzungsgrad liefern klare Kennzahlen zur Bewertung von Kompostierbarkeit und des biologischen End-of-Life-Verhaltens. Was theoretisch als „zersetzbar“ gilt, wird hier praktisch überprüft.
Während mikrobieller Abbau und Zersetzung biologische Prozesse abbilden, eröffnet die neue STA-FTIR-Einheit den Blick auf thermische Grenzbereiche. Das System kombiniert simultane Thermoanalyse mit einer gekoppelten FTIR-Gasphasenanalytik und arbeitet in einem Temperaturbereich von 15 bis 1100 °C. Mit einer Wägeauflösung von
0,1 µg und präziser Temperaturkontrolle werden Massenänderungen, energetische Effekte und entstehende gasförmige Zersetzungsprodukte gleichzeitig erfasst. Was sich beim Erhitzen verändert, wird nicht nur registriert, sondern chemisch charakterisiert.
Die Kombination aus aquatischer Abbaubewertung, Kompost-Zersetzungsprüfung und hochauflösender Thermoanalyse schafft eine integrierte Plattform zur ganzheitlichen Untersuchung von Holzverbundstoffen. Abbau wird messbar, Zersetzung nachvollziehbar, thermische Belastung transparent. Damit stärkt Wood K plus gezielt seine Kompetenz in der Bewertung nachhaltiger und kreis-lauffähiger Materialien, fundiert, vergleichbar und wissenschaftlich belastbar.