Baumschutz ohne Plastik.
Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe ist ein zentraler Baustein für eine nachhaltige Zukunft. Sie ermöglicht die Entwicklung innovativer Produkte, die ökologische und ökonomische Vorteile vereinen, regionale Wertschöpfung fördern und einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten. Hochwertige, effiziente Anwendungen sind entscheidend, um das Potenzial dieser Ressourcen vollständig auszuschöpfen. Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung einer biologisch abbaubaren Baumschutzhülle, die zeigt, wie ökologische Herausforderungen durch innovative Materiallösungen adressiert werden können. Unterstützt wurde diese Umsetzung im Innovations- und Ideenprozess, der bei Wood K plus in einem Stage-Gate-Prozess abgebildet ist. Mitarbeiter*innen sind angehalten neue Ideen einzubringen, die von einem Bewertungsgremium beurteilt werden. Aus der Einreichung aus dem Jahre 2021 wurde eine beeindruckende Success Story – biologisch abbaubare Baumschutzhüllen. Der Großteil der eingesetzten Baumschutzhüllen bestehen aus erdölbasierten Kunststoffen, die nicht biologisch abbaubar sind und nach einigen Jahren entweder aufwendig aus dem Wald entfernt werden müssen, oder als Mikroplastik im Wald zurückgelassen werden. Das Projekt adressiert eine zentrale ökologische Herausforderung durch die Entwicklung einer neuartigen, vollständig biologisch abbaubaren Schutzlösung. Die Forschungsarbeit umfasst die Materialauswahl, die Konstruktion und die Lebenszyklusanalyse, um eine Hülle zu schaffen, die nach einigen Jahren zerfällt und als Dünger wirkt. Damit wird ein Baumschutzsystem realisiert, das Kreislaufwirtschaft und Forstwirtschaft in Einklang bringt. Die Innovation liegt in der Kombination von ökologischer Funktionalität, mechanischer Stabilität und biologischer Rückführung.
Der Weg der Entwicklung
Der Entwicklungsprozess begann mit einer Masterarbeit, die grundlegende Fragestellungen zur Realisierung einer abbaubaren Baumschutzhülle klärte und einen ersten Prototyp entwickelte. Als Ausgangsmaterial diente eine 2 mm starke Hartfaserplatte aus 99 % Holzfasern, die im Nassverfahren ohne zusätzliche Bindemittel hergestellt wird. Herausforderungen betrafen vor allem das Design: Die Hülle musste optimale Wachstumsbedingungen ermöglichen, ein verbessertes Mikroklima sicherstellen und zugleich einfach zu handhaben sein. Gelöst wurde dies durch eine spezielle Stanztechnik und ein Vernähverfahren, durch die das Produkt platzsparend geliefert werden kann und alle notwendigen Elemente bereits integriert sind. Die wissenschaftliche Arbeit wurde beim BOKU-Nachhaltigkeitstag 2023 ausgezeichnet
Investitionen und Marktpotentiale
Die Erkenntnisse aus der Masterarbeit dienten als wissenschaftlich fundiert erarbeitete Grundlage für einen Produktentwicklungsprozess, der in einem Folgeprojekt der beiden Kooperationspartner Fundermax (Hersteller der Baumhüllen) und Witasek (Vermarkter der Baumhüllen) durchgeführt wurde. So wurde nach einer erfolgreichen Kleinserienfertigung in eine Nähmaschine sowie in ein Stanzwerkzeug für die industrielle Serienfertigung investiert , um die erheblichen Marktpotentiale heben zu können. Mit dieser Investition erfolgte die offizielle Markteinführung im Herbst 2024. Das ökologische Einsparpotenzial ist erheblich: Am Beispiel einer Eichenaufforstung können pro Hektar rund 1,1 Tonnen Polypropylen als Abfall vermieden werden. Gleichzeitig verbleiben etwa 2,5 Tonnen Biomasse aus den verrottenden Hüllen im Wald – inklusive wertvoller Nährstoffe, die die Bodenqualität verbessern. Damit verbindet die Lösung Klimaschutz, Ressourcenschonung und praktische Vorteile für die Forstwirtschaft.